ab 21.01. 2014 | Ausstellung „Das alte Russland“. Fotografien von Mira Raiz

mira_vorfotos1Die Ausstellung der Fotografien von Mira Raiz zeigt Aufnahmen, die in den Jahren 1985-1990 in Rußland entstanden sind.
Die DENKBAR zeigt diese Fotografien bis Anfang Februar 2014.

Aus einem Artikel über Mira Raiz in der Jüdischen Allgemeinen (Juni 2006):

1989 kam Mira Raiz nach Frankfurt. „Ich war die erste russische Jüdin, die hier ankam, es gab noch keine offizielle Regelung, keine Unterstützung, keine Sozialhilfe, keine Wohnung.“ Um sich über Wasser zu halten, betreute sie im Jüdischen Altenheim eine Schlaganfallpatientin und wohnte bei ihr in einem kleinen Zimmer. Später begleitete sie Tänzerinnen in einer Ballettschule am Klavier und trat schließlich eine Stelle als Klavierlehrerin an der Musikschule Taunus.  […]
Deutsch lernte die alte Dame, indem sie Krimis las. 

Von sich selber sagt Mira Raiz: „Mein Spiel ist wie ein Gebet.“ Sie denkt an früher, an Kiew, das so viele Jahre ihr Zuhause war. Sie sagt: „Leider haben wir dort zu Gott keinen Zutritt gehabt!“. 
„Wenn ich aufwache, bin ich schon dort“, sagt die 80jährige und zeigt vom Sofa aus auf den Flügel. „Alltägliche Sachen mache ich, weil es sein muß“, sagt sie, „doch erst wenn ich spiele, öffnet sich meine Seele und beginnt mein Leben.“ Manchmal tritt sie solistisch auf, manchmal gemeinsam mit der Geigerin Henryka Tronek als Duo Bacewicz.

Ein zarter Zauber liegt über jenem kleinen Foto, das Mira Raiz eng an ihren langjährigen Mann, den Vater ihres Sohnes, geschmiegt zeigt. „Liebe mit geschlossenen Augen“, sagt Mira Raiz leise. Schaut man genau hin, sieht man, daß nur die Lider der jungen liebenden Frau gesenkt sind. „Was bleibt von so einer Liebe?“, fragt sie und erzählt, daß sie nach 25 Jahren wegen einer anderen verlassen wurde. Ihr Mann war Porträtfotograf. Nach der Trennung fing sie selber an zu fotografieren. Damals lebte sie mit Mutter, Sohn und Schwiegertochter mitten in Kiew in einer Kommunalka, einer Zwangs-WG, die sie sich zu zwölft teilen mußten. Immer wenn das kleine fensterlose Bad frei war, wurde es zur Dunkelkammer umfunktioniert, und Mira Raiz entwickelte ihre Schwarzweißfotos.kirche_altrussland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.