ARCHIV 2002 Medizin

REIHE: CHANCE UND HERAUSFORDERUNG DER MODERNEN MEDIZINIn der Vortragsreihe Moderne Medizin: Chance und Herausforderung werden zentrale Probleme, die die moderne Medizin aufwirft, von fachkundigen Referenten dargestellt und kontrovers diskutiert. Die moderne Medizin mit ihren Möglichkeiten dringt immer stärker in Grenzbereiche menschlicher Existenz vor, die jeden betreffen. Von der Geburt bis zum Tod wird Gesundheit und Krankheit zum Gegenstand einer hochtechnologischen Medizin. Bleiben dabei nicht die Patienten auf der Strecke? Und welche ethischen Grenzen müssen dieser Medizin gezogen werden? Darf sie alles, was sie kann?

MÄRZ — MAI 2002Moderne Medizin I

Ethikkommission, Expertise und moralische Autorität
PD Dr. Mathias Kettner, Frankfurt und Essen

Ethikkommissionen spielen in der modernen Medizin eine immer grössere Rolle. Klärungsbedrürftig ist dabei, auf welcher Legitimationsbasis diese Kommissionen operieren, wie ihre moralische Autorität beschaffen ist und wie Fachwissen und moralisches Urteil in diesen Kommissionen zusammenwirken. Matthias Kettner leitet ein Forschungsprojekt, in dem diese Fragen untersucht werden.
PD Dr. Matthias Kettner ist am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen tätig.
Stammzellen: Embryonen als Material für die Medizin?
Dr. med. Gisela Bockenheimer, Frankfurt

Der Schutz menschlicher Embryonen ist in den letzten Monaten durch die Diskussion um die sogenannten Stammzellen und ihr Heilpotential stark in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Was sind nun eigentlich Stammzellen? Was haben sie mit Embryonen zu tun? Und welche ethischen Probleme wirft der Gebrauch von Stammzellen auf?
Dr. med. Gisela Bockenheimer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Senckenbergischen Instituts für Geschichte der Medizin.
Aktive Sterbehilfe – ein Freiheitsrecht?
Uwe Fahr, M.A., Frankfurt und Basel

Themen: Selbsttötung, aktive Sterbehilfe,
Menschliches Sterben ist häufig mit starken Schmerzen und grossem Leiden verbunden. Die aktive Sterbehilfe scheint in dieser Situation ein Ausweg zu sein. Stellt sie tatsächlich einen Zugewinn an individuellen Freiheitspielräumen dar oder handelt es sich um eine Wiederbelebung des alten Euthanasieprogramms wie manche Kritiker behaupten?
Uwe Fahr ist wissenschatlicher Mitarbeiter am Insitut für Angewandte Ethik und Medizinethik der Universität Basel.

Moderne Medizin II
Therapiebegrenzung am Lebensende:
Die Bedeutung von Lebensqualität und Leiden

Uwe Fahr, M.A., Frankfurt und Basel

Urteile über Lebensqualität spielen in der modernen Medizin eine wesentliche Rolle. Besonders in der letzten Lebensphase gewinnt diese Frage an Bedeutung. Zahlreich sind in dieser Zeit die Formen, in denen die Betroffenen mit Leiden konfrontiert werden. Welche Probleme gibt es mit der Begrenzung von Therapien, und welche Antworten gibt es auf die Frage: Wozu leiden?
Uwe Fahr ist wissenschatlicher Mitarbeiter am Insitut für Angewandte Ethik und Medizinethik der Universität Basel.
Organtransplantation und Gehirntoddefinition
Dr. rer. nat. Andreas Bell, Frankfurt

Organtransplantationen und die mit ihnen verbundene Gehirntoddefinition sind nach wie vor stark umstritten, auch wenn die öffentliche Wahrnehmung aktueller biomedizinischer Debatten sich anderen Konfliktfeldern zugewandt hat. Ist der Gehirntod tatsächlich der Tod des Menschen? Werden Organe gerecht verteilt? Muss die Medizin alles tun, was sie kann? Werden andere Patientengruppen benachteiligt?
Dr. Andreas Bell ist Referent für Ethik in den Naturwissenschaften der Katholischen Hochschulgemeinde Frankfurt.
Verantwortungskontexte im Feld der pränatalen Diagnostik
Dr. Christine Hauskeller, Darmstadt

Die neueste Entwicklung der Diagnostik an Ungeborenen, die Präimplantationsdiagnostik, hat auch die Praktiken der pränatalen Diagnostik, die zur Routine geworden sind und die damit verbundenen Spätabtreibungen wieder in die Diskussion gebracht. Diese Methoden und verschiedene ethische Standpunkte ihrer Beurteilung werden vorgestellt: Ob sie z. B. als „Eugenik von unten” kritisiert werden oder als technische Möglichkeiten akzeptiert oder gefeiert, deren sich Frauen bedienen, um gesellschaftliche und eigene Lebens- und Glückserwartungen realisieren zu können.
Dr. phil. Christine Hauskeller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU-Darmstadt.

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