Donnerstag, 14.12.2017 – 20:00 Uhr: „Wolfgang Borchert, Lesung mit Irene Kubisch“

„Du. Dichter in deiner Stube. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst keine Liebeslieder, du sollst Haßlieder singen, dann gibt es nur eins: Sag NEIN!“

Wolfgang Borchert starb am 20. November 1947 im Alter von 26 Jahren. Seine Texte erzählen vom Leben und Leiden von Menschen, die inmitten Trümmern, krank an Leib und Seele, auf eine lebenswerte Zukunft hoffen. Sie reden von Liebe und Freundschaft in trostlosen Zeiten, wortgewaltig und voller Leidenschaft.

Irene Kubisch liest aus dem Werk von Wolfgang Borchert zu seinem 70. Todestag.

Teilnehmerbeitrag* 5/3/1 Euro

In Kooperation mit der Kunstgesellschaft e.V.

Wolfgang Borchert, geboren am 20.5.1921 in Hamburg, Vater: Fritz Borchert, Lehrer an einer Volksschule in Hamburg-Eppendorf; Mutter: Hertha Borchert, geborene Salchow, Autorin mundartlicher Heimatliteratur (u.a. der Prosasammlung, Sünroos) 1928: Einschulung, 1932 bis Dezember 1938 Besuch der Oberrealschule in Hamburg-Eppendorf. Veröffentlichung erster Gedichte im Hamburger Anzeiger. 1.4.1939 Anstellung als Lehrling in der Hamburger Buchhandlung Heinrich Boysen. Borchert nimmt nebenher privat Schauspielunterreicht bei Helmuth Gmelin und legt 1940 eine Schauspielprüfung ab. Die Buchhändlerlehre beendet er am 31.12.1940. Vom 3.3.1941 bis zum 6.6.1941 arbeitet er als Schauspieler an der Landesbühne Osthannover in Lüneburg, einer Wanderbühne, die einfache Lustspiele (wie Die vier Gesellen, Swienskomödie Krach um Jolanthe und Krach im Hinterhaus) aufführt.

Juli bis November 1941 Ausbildung zum Panzergrenadier bei der 3. Panzer-Nachrichten-Ersatz-Abteilung 81 in Weimar-Lützendorf. Der erste Fronteinsatz bringt Borchert in den Raum Klin-Kanilin. Januar 1942 Verwundung auf einem Patrouillengang und nachfolgender Lazarettaufenthalt; als Borchert zudem an Diphtherie erkrankt, wird er in das Heimatlazarett Schwabach überführt. Unter dem Verdacht, sich die Schußverletzung an der linken Hand selbst beigebracht zu haben, gerät er unter Anklage der Wehrkraftzersetzung. Die Gerichtsverhandlung findet nach drei Monaten Einzelhaft im Untersuchungsgefängnis Nürnberg statt. Der Anklagevertreter fordert die Todesstrafe, das Gericht spricht Borchert am 31.7./1.8.1942 frei, er bleibt jedoch in Untersuchungshaft, nun unter Anklage, mit seiner brieflichen Korrespondenz gegen das Heimtückegesetz verstoßen zu haben – er wird am Ende zu 6 Wochen verschärfter Haft mit anschließender „Frontbewährung“ verurteilt. Der Weg zurück an die Front geht Ende 1942 über das Ersatzbatallion seines Regiments in Saalfeld und die Garnison in Jena. Im Dezember 1942 wird er als Melder in den Panzerkämpfen um Toropez eingesetzt, er zieht sich Fußerfrierungen zu, wird erneut ins Lazarett überstellt, wo er schließlich mit Gelbsucht und Fleckfieber liegt. Anfang 1943 wird er in das Seuchenlazarett Smolensk verlegt, im März die in das Reservelazarett Elend im Harz.

Im August kommt Borchert auf Urlaub in das nach Bombenangriffen bereits stark zerstörte Hamburg zurück. Im „Bronzekeller“ tritt er mit kabarettistischen Einlagen auf – erhalten blieben „Der Tausendfüßler“, „Die Zigarettenspitze“, „Brief aus Rußland“. Im Oktober kehrt er zu seiner Kompanie nach Kassel-Wilhelmshöhe zurück, diesmal in Erwartung seiner Entlassung und seine Freistellung für ein Fronttheater aufgrund einer fortschreitenden Lebererkrankung. Seine kabarettistischen Betätigen bringen ihm statt dessen im Dezember 1943 die erneute Verhaftung ein. Im Januar 1944 wird er von Jena aus in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit überführt, wo ihm im September vor dem Zentralgericht des Heeres← der Prozeß wegen Zersetzung der Wehrkraft gemacht wird. Borchert wird zu einer Gefängnishaft von neun Monaten verurteilt und wenig später „zur Feindbewährung an der Front“ entlassen. Die Einheit, der er zugewiesen ist, ergibt sich 1945 in der Nähe von Frankfurt a.M. französischen Truppen. Während des Abtransports in die Gefangenschaft gelingt ihm die Flucht – zu Fuß schlägt sich, mittlerweile schwer krank, nach Hamburg durch, wo er am 10.5.1945 bei seinen Eltern ankommt.

Kabarettistische Betätigungen in Hamburgs „Janmaaten im Hafen“ muß er auf Grund seines sich verschlechternden Gesundheitszustands aufgeben. Im November 1945 gehört er noch zu den Mitbegründern des Hinterhoftheaters „Die Komödie“ in Hamburg-Altona. Sein Gesaundheitszustand fesselt ihn jedoch ab dem Frühjahr 1946 ans Bett. Im Hamburger Elisabeth-Krankenhaus räumt man ihm noch höchstens ein Jahr ein. Borchert schreibt in den nächsten 12 Monaten 24 Prosatexte. Die Gedichtssammlung Laterne, Nacht und Sterne wird 1946 veröffentlicht. Am 13.2.1947 wird sein Hörspiel Draußen vor der Tür mit sensationellem Erfolg ausgestrahlt – Borchert schrieb es im Vormonat binnen weniger Tage. Im April 1947 wird sein Prosabandes Die Hundeblume veröffentlicht. In den nächsten vier Monaten verfaßt er noch 22 weitere Erzählungen, im September arrangieren Freunden die Überführung Borcherts in das katholische Clara-Spital in Basel, das in der medikamentösen Behandlung von Leber-Erkrankungen versierter sein soll. Sein Zustand verschlechtert sich dort rapide. Weder seine Eltern noch seine Freunde dürfen ihn besuchen. Zu seinen letzten schriftlichen Hinterlassenschaften gehört das Antikriegsmanifest Dann gibt es nur eins! – Borchert stirbt am 20.11.1947 im Clara-Spital, Basel. Seine Urne wurde 1948 im Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

Literatur
Rühmkorf, Peter, Wolfgang Borchert: in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten [= Rowohlts Monographien, 58] (Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, 1961).
Gullvåg, Kåre Eirek, Der Mann aus den Trümmern – Wolfgang Borchert und seine Dichtung (Aachen: Fischer, 1997), 142 S.
Warkentin, Erwin J., Unpublishable works: Wolfgang Borchert’s literary production in Nazi Germany (Drawer, DC: Camden House, 1997), 109 S.
Burgess, Gordon J. A., The life and works of Wolfgang Borchert [= Studies in German literature, linguistics and culture] (Columbia, SC: Camden House, 2003), X, 256 S.

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